Das gute Leben. 5 Tipps, wie es gelingt.

Wir alle wollen ein gutes Leben führen

Soweit mal zu einer allgemeingültigen Ausgangsposition. Aber was genau das “Gute Leben” bedeutet, das sehen wir doch alle recht unterschiedlich. Für die einen bedeutet es beruflicher Erfolg, für andere finanzielle Sicherheit oder ein harmonisches Familienleben. Manche träumen von einem Haus am Meer, andere von mehr Freizeit oder der nächsten Gehaltserhöhung. Hinter all diesen Wünschen steckt die Hoffnung, dass uns die Erfüllung, also in diesem Fall bestimmte äußere Umstände dauerhaft glücklich machen. Das funktioniert nur leider nicht, zumindest nicht nachhaltig.

Natürlich fühlen wir uns gut, wenn wir ein Ziel erreichen, eine Gehaltserhöhung bekommen oder einen tollen Urlaub antreten. Solche Momente sind wertvoll. Aber sie halten selten lange an. Schon nach kurzer Zeit gewöhnen wir uns an das Erreichte und suchen das nächste Ziel. Die Zufriedenheit, die wir gesucht haben, scheint sich schnell wieder verflüchtigt zu haben. Die Psychologie kennt dieses Phänomen als hedonische Anpassung: Menschen gewöhnen sich erstaunlich schnell an positive Veränderungen. Was gestern noch ein Traum war, wird heute zur Normalität.

Kurze Zwischenfrage: glauben Sie, bei den Superreichen ist es die Villa am Meer, die Garage mit zehn Sportwagen und das Penthouse in New York, was sie wirklich glücklich macht? Vielen von uns liegt hier ein „Ja!“ auf der Zunge. Gleichzeitig wissen wir schon, dass das wahrscheinlich nicht so ist. Die logische Frage nach Penthouse & Porsche: Was macht ein Leben wirklich gut – unabhängig davon, was im Außen passiert und ob gerade alles nach Deinem Plan läuft?

Mit genau dieser Frage beschäftigen sich Menschen seit Jahrtausenden. Erstaunlicherweise kommen antike Philosophen, große Religionen und die moderne Psychologie trotz ihrer unterschiedlichen Ansätze immer wieder zu ähnlichen Antworten: Ein erfülltes Leben entsteht weniger durch das, was wir besitzen oder erleben, sondern vor allem durch die Art, wie wir denken, handeln und mit anderen Menschen in Beziehung treten. Und das ist doch eine gute Nachricht! Denn wenn das gute Leben nicht in erster Linie von äußeren Umständen abhängt, liegt also viel mehr davon in unserer Hand, als wir oft glauben.

Wir kennen die Antwort. Seit über 2.000 Jahren!

Wenn man die verschiedenen Denktraditionen der Menschheitsgeschichte nebeneinanderlegt, entsteht ein bemerkenswert klares Bild: Antike Philosophen, religiöse Traditionen und auch moderne psychologische Ansätze kommen – trotz unterschiedlicher Sprache und Kultur – in vielen zentralen Punkten zu ähnlichen Erkenntnissen.

Das “Gute Leben” entsteht demnach nicht in erster Linie durch äußere Umstände, sondern zu allererst einmal durch eine innere Ausrichtung. Oder einfacher gesagt: Nicht das Leben (alles, was im Außen passiert) selbst entscheidet darüber, wie gut wir es erleben, sondern die Art und Weise, wie wir ihm begegnen. Meiner Meinung nach ist das schon einer der zentralen Schlüssel für ein Gelingendes Leben, mehr dazu später.

In der antiken Philosophie findet sich dieser Gedanke besonders deutlich bei den Stoikern. Sie unterschieden zwischen dem, was wir beeinflussen können, und dem, was außerhalb unserer Kontrolle liegt. Ein großer Teil unseres Leidens entsteht demnach genau dort, wo wir versuchen, das Unkontrollierbare zu kontrollieren.

Praxisbeispiel: das vorangegangene klingt so einfach und damit in einer gewissen Weise unglaubwürdig. Wir überprüfen das mit einem Beispiel. Stell Dir folgende Situation vor: Dein Chef sieht wiederholt Deine gute Arbeit nicht und das ärgert Dich jedes Mal maßlos. Du kannst nun schlecht drauf sein oder Deinen Chef immer wieder auf deine gute Arbeit aufmerksam machen, das wird ihn aber im Zweifel eher nerven. Was Du aber tun kannst, ist das beeinflussen, was Du selber tust: Mach also weiterhin einen guten Job, irgendwann wird es Deinem Chef auffallen – bleib bei Dir. Das ist übrigens Stoizismus in Reinform: Dir ist nicht plötzlich alles egal, was den Stoikern ja oft missverständlich vorgeworfen wird, du bleibst schlicht bei dir und machst weiterhin einen guten Job. Und vertraust darauf, dass deine Leistung gesehen werden wird.

Die Vorstellung eines gelingenden Lebens bei Aristoteles geht übrigens in eine ähnliche Richtung: Ein gutes Leben ist nicht ein Zustand dauerhaften Glücks, sondern ein Leben, in dem der Mensch seine Fähigkeiten entfaltet, sinnvoll handelt und im Einklang mit seinen Werten lebt.

Der Buddhismus wiederum beschreibt menschliches Leiden als Folge des Festhaltens – an Dingen, Zuständen oder Vorstellungen, die sich ständig verändern. Oft entsteht Leid genau dann, wenn wir versuchen, etwas dauerhaft festzuhalten, das seiner Natur nach vergänglich ist: Beziehungen, Erfolge, Sicherheit oder auch bestimmte Bilder davon, wie das Leben sein sollte. Damit sind die Buddhisten gar nicht so weit weg von den Stoikern. Gelassenheit entsteht aus der buddhistischen Perspektive nicht durch Kontrolle, sondern durch die Fähigkeit, loszulassen und das Leben bewusster im jeweiligen Moment zu erleben – ohne es ständig festhalten oder absichern zu müssen.

Auch in den großen religiösen Traditionen findet sich ein gemeinsamer Kern zum guten Leben: Werte wie Mitgefühl, Dankbarkeit, Verantwortung gegenüber anderen und die Einsicht, dass ein erfülltes Leben immer auch über das eigene Ich hinausgeht. Kurzes Zwischenfazit: Wir haben bis hierhin gelernt, dass die Wege zum guten Leben so unterschiedlich dann doch nicht sind, auch wenn sie sich in Nuancen unterscheiden, wie zum Beispiel bei den Buddhisten und den Stoikern. Was wir aber deutlich sehen: Alle Denkweisen, Philosophien oder Religionen haben, führen in ähnliche Richtungen:

  • Das gute Leben ist weniger abhängig von äußeren Dingen

  • Es entsteht durch innere Haltung und bewusste Entscheidungen

  • Es wächst in guten Beziehungen

  • Es verlangt die Fähigkeit, mit Unsicherheit und Grenzen umzugehen

Die moderne Psychologie hat viele dieser Gedanken inzwischen bestätigt – nur in einer anderen Sprache. Wir hören da Begriffe wie Resilienzforschung, Achtsamkeit und kognitive Verhaltenstherapie. Auch hier der Fokus: Unsere Gedanken darüber, was ein Ereignis bedeutet, sind oft entscheidender als das Ereignis selbst.

Damit kommen wir zu einem für mich sehr wichtigen und grundlegenden Shift: Das gute Leben ist weniger etwas, das man „findet“ oder das einem zufällig vor die Füße fällt. Es ist etwas, das man aktiv entwickelt. Wir müssen also selbst etwas dafür tun – und damit haben wir es selbst in der Hand. Eine Ausbilderin hat einmal zu mir gesagt: „Wir verstreuen hier keinen Feenstaub!“ Das trifft es sehr gut. Es geht bei einem guten Leben tatsächlich auch darum, dass es eben das eigene gute Leben ist, das man sich auch selbst erschaffen hat.

Wo wir die Philosophie in der Psychologie finden

Die moderne Psychologie hat einen Gedanken immer wieder bestätigt, der sich erstaunlich gut mit den bisherigen philosophischen Ansätzen verbindet: Zwischen dem, was uns passiert, und der Reaktion (wie wir uns fühlen, was wir tun), liegt unsere Bewertung des Ereignisses. Genau hier setzt die Rational-Emotive Verhaltenstherapie (REVT) nach Albert Ellis an.

Das REVT-Grundmodell ist einfach, aber sehr wirkungsvoll: Nicht Situationen lösen unsere Gefühle aus, sondern unsere Bewertungen/Gedanken über diese Situationen. Ein Ereignis (A) führt nicht direkt zu einer Emotion/Reaktion (C), sondern wird immer durch Bewertungen (B) gefiltert. Diese Bewertungen sind oft automatisch, unbewusst und vor allem irrational. Typische Beispiele für irrationale Bewertungen sind: „Das darf nicht passieren“, “Das bedeutet, ich bin gescheitert“ oder ganz aktuell für unsere WM-Kicker: “Den Elfer hätte ich machen müssen, ich bin ein Versager!”

Genau diese inneren, oft irrationalen Bewertungen entscheiden darüber, ob wir gelassen bleiben oder innerlich unter Druck geraten. Ein Beispiel:

Zwei Menschen erhalten kritisches Feedback. Der eine denkt: „Das ist fies und unfair, ich kann doch nicht DAFÜR kritisiert werden!“ Die Folge ist Ärger oder Kränkung. Der andere denkt: „Puh, das ist unangenehm, aber vielleicht kann ich daraus etwas lernen.“ Diese zweite Bewertung ist gesund, die emotionale Reaktion ist deutlich ruhiger und konstruktiver.

REVT arbeitet genau an dieser Stelle: Gedanken werden sichtbar gemacht, hinterfragt und auf ihre Nützlichkeit überprüft. Nicht im Sinne von „positiv denken“, sondern im Sinne von „realistisch und hilfreich denken“. Die zentrale Frage lautet dabei immer: Hilft mir dieser Gedanke – oder macht er mein Leben schwerer, als es sein müsste? Wenn man das konsequent weiterdenkt, verschiebt sich die Perspektive: Ein großer Teil unseres inneren Stresses entsteht nicht durch die Welt da draußen, sondern durch starre innere Überzeugungen darüber, wie die Welt sein sollte.

Ergänzend dazu betont die klientenzentrierte Haltung nach Carl Rogers einen zweiten wichtigen Aspekt: Selbst wenn wir unsere Gedanken reflektieren, brauchen wir einen inneren Umgang mit ihnen, der nicht zusätzlich Druck erzeugt. Rogers beschreibt das als eine Haltung von Akzeptanz gegenüber sich selbst, unabhängig davon, ob man gerade „funktioniert“ oder nicht. Auf gut Deutsch: Seid freundlich – auch zu euch selbst! Zusammen ergibt sich daraus ein weiterer zentraler Punkt für das gute Leben: Es beginnt in der Art, wie wir mit uns selbst sprechen.

Fünf Entscheidungen für ein gutes Leben

Wenn Philosophie, Religion und Psychologie in ihren Kernaussagen so eng beieinander liegen, ist es logisch, dass diese drei Denktraditionen unseren Alltag stark bestimmen können – und das schon immer getan haben; früher möglicherweise noch mehr als heute. Wenn wir nun wieder zurückkommen auf das Ziel dieses Artikels, ein gelingendes und glückliches Leben, sind vor allem fünf Entscheidungen, die den Unterschied machen:

1. Übernimm Verantwortung für Deine Gedanken.

Wir können nicht verhindern, dass uns Krisen, Enttäuschungen oder Schicksalsschläge treffen. Aber wir sind ihnen nicht hilflos ausgeliefert. Entscheidend ist oft, wie wir innerlich damit umgehen – ob wir in ihnen nur ein Scheitern sehen oder auch eine Erfahrung, an der wir wachsen können.

Frage Dich in belastenden Situationen: Ist das wirklich so wie ich das gerade sehe? Gibt es auch eine andere Sichtweise? Helfen mir meine Gedanken zur Situation gerade oder machen Sie mein Leben nur schwerer?

2. Konzentriere Dich auf das, was Du beeinflussen kannst.

Wir verschwenden erstaunlich viel Energie mit Dingen, die außerhalb unserer Kontrolle liegen: dem Verhalten anderer Menschen, der Vergangenheit, dem Stau auf dem Weg zur Arbeit oder möglichen Zukunftsszenarien.

Richte Deinen Blick stattdessen auf das, was Du heute konkret tun kannst. Das macht dich gelassener, zuversichtlicher und es gibt dir außerdem das für eine mentale Gesundheit so wichtige Gefühl der Selbstwirksamkeit.

3. Baue dir einen Wertekompass und lebe danach.

Erfolge, der Porsche oder Penthouse Wohnung in New York fühlen sich oft erstaunlich leer an, wenn sie nicht zu den eigenen Werten passen. Wer seine Entscheidungen aber an den eigenen Werten ausrichtet, erlebt sein Leben meist als stimmiger und sinnvoller.

Frag Dich deshalb gerne immer wieder: Welcher Mensch möchte ich sein? Und auch: Was erwarten andere von mir – passt das überhaupt zu mir und meinen Werten?

4. Investiere in Deine Beziehungen

Nahezu alle großen Denktraditionen sind sich in einem Punkt einig: Ein gutes Leben gelingt nicht allein. Wie auch? Wir Menschen sind Herdentiere, wir müssen uns seit jeher aufeinander verlassen können und miteinander auskommen.

Merke: Freundschaften, Familie, Kolleginnen und Kollegen oder Nachbarn – gute Beziehungen geben Halt, schenken Freude und tragen uns durch schwierige Zeiten. Sie sind einer der wichtigsten Schutzfaktoren für Resilienz und psychische Gesundheit.

5. Sei freundlich! Auch zu Dir selbst.

Viele Menschen sprechen mit sich selbst deutlich härter als mit anderen. Gerade nach Missgeschicken, Fehlern oder Rückschlägen wird der innere Ton schnell abwertend. Das kostet Kraft und hilft Dir kein bisschen weiter.

Frag Dich in solchen Momenten: „Würde ich so mit einem guten Freund sprechen?“ Du musst also nicht deine Erwartungen an dich selbst verändern oder reduzieren, sondern nur den Ton, indem du mit dir sprichst. Selbstfreundlichkeit bedeutet nicht, weniger zu wollen, sondern Dich nicht zusätzlich zu schwächen, wenn es ohnehin schon schwierig ist.

Wenn du das Gefühl hast, dass du das Thema „gutes Leben“ nicht nur verstehen, sondern für Dich konkret sortieren und in deinen Alltag bringen möchtest, biete ich dir ein kostenloses Erstgespräch an. Dabei schauen wir gemeinsam auf Deine aktuelle Situation, Deine Fragen und mögliche nächste Schritte.

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